Als ich so durch Kärnten und Salzburg fuhr, fragte ich mich angesichts der Autos, mit denen ich die Straßen teilte: Haben denn inzwischen alle einen SUV? Andauernd nämlich kreuzte ich einen Mega-BMW oder einen Touareg oder wie auch immer sie alle heißen. Wie mein Vater ganz richtig meinte: Es gibt halt schon eine gar nicht so kleine Gruppe von recht gut verdienendem MittelständlerInnen, die sich solche Autos leisten können.

Allerdings hörte ich im ARD-Presseclub vor einer Woche noch ein paar interessante Argumente, die meine Position zum nun gefallenen EU-Beschluss zur Reduktion des CO2-Ausstoßes bereichert haben.

Ansgar Graw von der „Welt“ brachte ein, dass zum Beispiel diese absolut protzigen Hummer-Teile insgesamt weniger schädlich seien als etwa das Hybrid-Auto – und zwar wenn man sich nicht nur den CO2-Ausstoß pro Kilometer ansieht, sondern den gesamten Produktionsprozess, also von der Entstehung bis zur Entsorgung. Da gäbe es eine Berechnung aus den USA von einem gewissen Art Spinella, wonach etwa die Entsorgung der Batterie des Hybrid-Autos „ungleich teurer“ sei als jene des Hummer. Auch würden die Energiekosten pro Kilometer beim Hybrid-Auto bei 3,40 Euro liegen, jene des Hummer bei 2,70 Euro.Kurz: Über Umweltfreundlichkeit entscheidet nicht nur die Abgasmenge pro Kilometer, sondern auch Produktionskosten, wie aufwändig die Beschaffung der Materialien ist, die Lebensdauer des Autos und wie viele Kilometer es in dieser Zeit schafft und schließlich und endlich die Entsorgung.

Fand ich ganz interessant, allerdings spricht deshalb aus meiner Sicht absolut nichts für den Hummer mit den für den normalen Straßenverkehr absolut unnötigen 500 PS.

Ein weiteres Argument lautete, dass es nicht nur um die „Premiumklasse-Autos“ geht: „Wenn wir die 50 spritfressendsten Autos, die in Europa zugelassen sind, im Verbrauch um 20 Prozent reduzieren, hätten wir beim co2-Ausstoß eine Einsparung von 0,4 Prozent. Wenn wir die 50 meistverkauftesten Autos – und das sind Kleinwagen und untere Mittelklasse – ebenfalls um 20 Prozent reduzieren würden – was nach den Brüsseler Plänen nur beschränkt vorgesehen ist – hätten wir eine Einsparung von 14 Prozent“, so Graw.

Auch ganz interessant, diese Rechnung. Nichts desto weniger ergibt ein Blick in eine
Liste von Autos und deren CO2-Emissionen
, dass die SUVs deutlich höhere Zahlen aufweisen. Allerdings liegen auch so genannte Familienautos darüber oder aber beispielsweise der VW Golf.

Dies bekräftigt mich aber nach wie vor darin, die Entscheidung der EU-Kommission zu befürworten, denn ohne Druck wird die Autoindustrie hier nichts machen. Wie Bascha Mika von der „taz“ im Presseclub einbrachte: Sie hatten schon zehn Jahre Zeit und es ist nichts passiert. Nicht desto weniger halte ich es für wichtig, auch die zusätzlichen Faktoren, auf die in der Sendung hingewiesen wurde, zu berücksichtigen. Es ist nun mal alles sehr kompliziert ;-) .

Zum ökologischen Aspekt kommt meiner Meinung nach ein weiterer: SUV-geneigte sollten sich überlegen, dass sie nicht nur AutofahrerInnen sind, sondern eben auch FußgängerInnen. Denn als FußgängerIn von so einem Teil gestreift zu werden, schon gar als Kind, das ist nun wahrlich nicht spaßig. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) dazu: „Egal, ob zu Fuß gegangen oder mit dem Pkw gefahren wird, das Risiko bei einem Unfall mit einem SUV getötet zu werden, ist zweieinhalbmal höher als bei einem Unfall mit einem herkömmlichen Pkw. Besonders für Kinder steigt die Gefahr schwerster Verletzungen.“ Denn werden bei Unfällen Kinder von einem SUV angefahren, dann werden sie meist in Brust- oder Kopfhöhe getroffen. „Schwerste Verletzungen sind die Folge“, so der VÖC.

Sie sind schön, und sie verleihen Prestige, nichts desto trotz bleibe ich dabei, dass ein Geländewagen ins Gelände gehört, und nicht in die Stadt…

Links:
Die Presse: „Geländewagen: Österreicher stehen auf Spritfresser“
Die Presse: „Was ist dran am bösen SUV?“